Gewaltverbot in der Erziehung

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2019-2020

Kampagne: 30 Jahre Gewaltverbot in der Erziehung

Basierend auf den Studien der Kinderärzte Czermak und Pernhaupt („Die gesunde Watsche gibt es nicht!“) wurde in Österreich 1989 als viertem Land weltweit Gewalt in der Erziehung gesetzlich verboten

(§ 146a ABGB, Art. 5 BVG Kinderrechte).

Studien belegen allerdings, dass immer noch 25 % aller Kinder und Jugendlichen unter einem „gewaltbelasteten Erziehungsstil“ leiden – d.h. sie werden Opfer von verschiedenen Formen von Gewalt. Ausgehend von diesen Berechnungen muss man davon ausgehen, dass in Kärnten im Jahr 2020 rund 23.000 Kinder mit Gewalt aufwachsen. Diese Zahl macht betroffen - insbesondere vor dem Hintergrund des 30. Jubiläums des gesetzlichen Gewaltverbotes in der Erziehung in Österreich.

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Mag.a Astrid Liebhauser, LH Stv. Dr.in Beate Prettner und Mag. Raphael Schmid bei der Pressekonferenz am 13.11.2019. (Foto: LPD Kärnten)


Das primäre Ziel der Öffentlichkeitskampagne der Fachstelle für Qualitätsentwicklung im Kärntner Kinderschutz und der Kinder- und Jugendanwaltschaft Kärnten, die bis Herbst 2020 kärntenweit umgesetzt wird, ist die Steigerung des Bekanntheitsgrades des gesetzlichen Gewaltverbotes in der Erziehung. Dabei wird bewusst auf den „moralischen Zeigefinger“ verzichtet und aus Sicht der Betroffenen der Schwerpunkt auf Informations- und Beratungsstellen gelegt.

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Das Wohl von Kindern und Jugendlichen muss als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahr- und ernstgenommen werden:


Gewalt gegen Kinder geht uns alle an!


Gewalt gegen Kinder findet tagtäglich in unserem eigenen, direkten Lebensumfeld statt!


Wir alle müssen gegen Gewalt an Kindern handeln und für den Schutz von Kindern und die Stärkung von Familien eintreten!

Kärnten ist nach Vorarlberg das zweite Bundesland Österreichs, das seine Bürger*innen in dieser Form sensibilisieren möchte – die Umsetzung orientiert sich dabei an der bestehenden Kampagne der Vorarlberger Landesregierung „Kinderschutz Vorarlberg“. An dieser Stelle möchte wir uns bei der Vorarlberger Landesregierung für die gute Zusammenarbeit bedanken!
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Für die Umsetzung der Kampagne konnten wertvolle Mitstreiter*innen und Unterstützer*innen gewonnen werden:

  • Kärntens Gemeinden
  • Kärntens Gesundheitssektor (Arztpraxen, Krankenanstalten, Ambulatorien)
  • Kärntens Elementarpädagogische Einrichtungen (Kindergärten, Kindertagesstätten, altersübergreifende Horte etc.)
  • Kärntens Schulen (Primar- und Sekundarstufe)
  • Kärntens größte Sportvereine KAC, VSV und WAC
  • Katholische Kirche, evangelische Kirche und islamische Glaubensgemeinschaft
  • Kärntens Musikschulen
  • Kärntens große Einkaufszentren (Südpark Klagenfurt, City Arkaden Klagenfurt, Atrio Villach, Tenorio Wolfsberg, Stadtparkcenter Spittal)


Medienpartner: ORF Landesstudio Kärnten und die Kleine Zeitung


3 Botschaften – 3 Phasen

Phase 1: Statistik

In der ersten Phase der Kampagne werden statistische Daten präsentiert. Diese stehen in Bezug zu einer Region oder einem Thema, um die Öffentlichkeit emotional anzusprechen.

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Aussagen:


In Kärnten leben 91.210 Kinder und Jugendliche.
Obwohl es verboten ist, erleben 22.803 von ihnen zu Hause Gewalt.*


Die Zahlen wurden auf jeden Bezirk Kärntens adaptiert.


91.210 Kinder erkunden ihre Welt spielerisch.
Obwohl es verboten ist, erleben 22.803 von ihnen zu Hause Gewalt.*


4.637 Kinder werden jährlich in Kärnten geboren.
Obwohl es verboten ist, erleben 1.159 von ihnen im Laufe ihrer Kindheit zu Hause Gewalt.*


41.109 Kinder und Jugendliche besuchen den Weihnachtsgottesdienst.
Obwohl es verboten ist, erleben 10.277 von ihnen zu Hause Gewalt.*


In der Eishalle feuern 413 Kinder und Jugendliche ihren KAC an.
Wussten Sie, dass 103 davon zuhause Opfer von Gewalt werden?


*Bis zu 25 % aller Kinder und Jugendlichen in Kärnten erfahren Gewalt in der Erziehung.

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Phase 2: Aussagen aus Kindermund

In dieser Phase wird die Perspektive von betroffenen Kindern und Jugendlichen in den Fokus gerückt. Dabei handelt es sich nicht um Vorwürfe an gewalttätige Erwachsene sondern um Wahrnehmungen.
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Aussagen:


Ich weiß, du hast kaum noch Zeit für dich, Mama. Aber was kann ich dafür?*


Mama tut es leid, sagt sie. Trotzdem bleibt da etwas im Herz drin, das kann man irgendwie nicht wegmachen.*


Hoffentlich hat Mama heute nicht so viele Probleme in der Arbeit gehabt.*


Ich bin klein und habe nicht so viel Kraft, mich zu wehren. Außerdem weiß ich nicht wie.*


Das Schlagen tut gar nicht so weh. Aber warum will Papa mir wehtun? Ich verstehe das nicht.*


Wenn Papa nach der Arbeit laufen war, dann spielt er oft noch mit mir. Wenn nicht, dann tut er mir weh.*


*Bis zu 25 % aller Kinder und Jugendlichen in Kärnten erfahren Gewalt in der Erziehung.

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Phase 3: Aussagen betroffener Eltern

Reflexionen betroffener Eltern schließen die Kampagne ab. Kontaktdaten von Informations- und Beratungsstellen sowie „Tipps für eine gewaltfreie Erziehung“ sollen konkrete Handlungsoptionen aufzeigen.
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Aussagen:


Manchmal ist es besser, nicht gleich ins Haus zu gehen. Erst den Kopf freikriegen, bevor der Trubel wieder losgeht.*


Ich mache die Augen zu, zähle leise bis fünf …und dann gehe ich hinaus. Ich will meine Tochter nie mehr schlagen.*


Wenn ich nach der Arbeit laufen gehe, bin ich ein anderer Mensch. Ich habe meine Kinder seither nie mehr geschlagen.*


Immer wenn ich den Kleinen geschlagen hatte, fühlte ich mich elend. Hätte ich nur schon früher gewusst, dass es Hilfe gibt.*


Wir haben ein Zeichen vereinbart. Dann lassen sie mich besser in Ruhe. Hauptsache, ich tue keinem mehr weh.*


*Bis zu 25 % aller Kinder und Jugendlichen in Kärnten erfahren Gewalt in der Erziehung.

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Stärkendes und ermutigendes Sujet für Kinder und Jugendliche

Ergänzend wurde ein Motiv speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt, das sie durch Wissen um das Gewaltverbot stärken und durch Information über Beratungsstellen ermutigen soll.
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Aussagen:


Schlagen / schütteln / würgen / treten / Haare reißen / drohen / beleidigen / runtermachen / erpressen / einsperren / demütigen / intim berühren / quälen / ängstigen / sexuell belästigen / abhängig machen / nötigen / zwingen / vernachlässigen / beschimpfen / …

Ist nicht okay! Hol dir Hilfe.



Der erste Schritt ist die größte Überwindung. Aber wenn du diesen Schritt machst, werden wir alles tun, um dir so zu helfen, dass es dir besser geht. Hol dir Hilfe!


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Kinderschutz geht uns alle an und ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Helfen Sie uns somit, im Rahmen Ihrer Möglichkeiten die Kampagne so breit wie möglich umzusetzen und bilden Sie mit uns und allen involvierten Partnern ein Bündnis für ein gewaltfreies, liebevolles Aufwachsen unserer Kinder in Kärnten!


Verbreitung der Kampagneninhalte

Durch einen breiten Kommunikations-Mix wird versucht, dem Kampagnenziel – die Kärntner Bevölkerung zu erreichen/sensibilisieren – möglichst nahe zu kommen:

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Plakataussendung in drei Wellen an Kooperationspartner

In drei Wellen werden die Plakate an

  • Gemeinden,
  • Behörden,
  • Einrichtungen im Gesundheitssektor,
  • Katholische Kirche, evangelische Kirche, islamische Glaubensgemeinschaft,
  • Elementarpädagogische Einrichtungen,
  • (Musik)Schulen, Schulsozialarbeit,
  • psychosoziale Beratungsangebote,
  • Jugendzentren,
  • sozialpädagogische Wohngemeinschaften,
  • Einkaufszentren

verschickt. Verschiedene Beilagen (Freecards, Broschüre „Gewalt an Kindern“ etc.) ergänzen die Aussendungen.


Spots in TV, Funk, Kino und Arztpraxen in drei Wellen

Die bestehenden Audio- und Videospots aus der Vorarlberger Kampagne wurden neu synchronisiert und kamen vor der TV-Sendung „Kärnten Heute“, im Radioprogramm von Radio Kärnten sowie in den Kinos Volkskino Klagenfurt, Wulfenia Kinos, CineCity und Cineplexx und Arztpraxen im Rahmen des Wartezimmer-TV zum Einsatz.


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Plakatierung in drei Wellen

Die unterschiedlichen Sujets hängen kärntenweit an Plakatwänden im öffentlichen Raum und gezielt in Bahnhöfen und Bussen der ÖBB.



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Inserate in drei Wellen

Einschaltungen in Tageszeitungen und Magazinen unterstützen die Kampagne ebenso wie zielgruppengerechte Aussagen in regionalen Medien oder Zwischenseiten in der ePaper-Ausgabe.


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Redaktionelle Beiträge

Ideen- und Themengenerierung unterstützen Redakteur*innen bei Berichten in Radio Kärnten, Kleine Zeitung – Print und ePaper, Kleine Kinder­zeitung, Minimax etc.



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Kampagnen-Website: kinderschutz.ktn.gv.at

Alle Drucksorten weisen auf die Website als

Informationsplattform der Kampagne hin:

  • Wissenswertes zur Kampgagne (Ausgangslage, Presse, UnterstützerInnen, Kreativwettbewerb),
  • Fakten zu „Gewalt und ihre Folgen“,
  • aber vor allem: Kontaktmöglichkeiten der Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche bzw. Erwachsene.

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Fachdialog: Die vielen Seiten der Gewalt – so greifbar und doch so schwer zu fassen

Der Fachdialog fand am 19.11.2019 im Bildungshaus Krastowitz/Klagenfurt a.W. in Zusammenarbeit mit den Kinderschutzzentren Delfi statt.


Im Sinne des Schutzes der Kinder und Jugendlichen schien es notwendig, die unterschiedlichen Gewaltformen in Abhängigkeit von den jeweiligen Professionen verstärkt greifbar und benennbar zu machen. Dazu wurden die unterschiedlichen beteiligten Professionen an den Schnitt- und Nahtstellen eingeladen, um den Blick über die Grenzen der eigenen Rolle und Aufgabe hinaus zu wagen. Ziel des Expert*innendialog war es, anhand von unterschiedlichen Blickwinkeln, Expertisen und Erfahrungen entscheidende Wirkungszusammenhänge im Umgang mit Gewalt offenzulegen sowie die Qualifizierung der unterschiedlichen Gewaltformen gemeinsam zu schärfen und zu verstärken. Zahlreiche Expertinnen und Experten folgten der Einladung, wodurch ein sehr anregender und konstruktiver Nachmittag entstand.



1. KAC-Familientag

Die beiden größten Kärntner Eishockeyvereine konnten für diese Kampagne gewonnen werden.

Der EC KAC stellte das Heimspiel am 17.11.2019 unter das Motto "Kinderschutz":

  • Während den Werbepausen wurden neben den Kampagnenbotschaften auch Statements von Spielern gezeigt, die sich im Vorfeld in einem Workshop mit dem Thema kritisch auseinandergesetzt hatten: so kamen klare Ansagen von Sport-Idolen an ihre Fans.
  • Ein Interview des Leiters der Fachstelle Kinderschutz Mag. Raphael Schmid in der Drittelpause rundete den Aktionstag ab.

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VSV-Aktionstag

Der EC VSV schloss sich ebenfalls an: so konnte die Kampagne "30 Jahre Gewaltverbot in der Erziehung" beim Heipsiel des EC VSV gegen HC Orli Znojmo mehr als 2.700 Zuschauer*innen vorgestellt werden:

  • Auch die VSV-Spieler (zum Teil selbst Väter) richteten sich mit ihren Botschaften direkt an die Fans.
  • Wiederum gab Mag. Schmid ein Pauseninterview.
  • Die Halle wurde engmaschig mit A2-Plakaten der Kampagne versehen.

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2. KAC-Familientag

Der EC KAC setzte die Zusammenarbeit in beeindruckender Art fort: neben den Spieler-Statements (zur Festigung der Botschaften) trug der Kapitän Manuel Geier beim Aufwärmen und das Maskottchen während des gesamten Spieles ein eigens kreiertes Trikot.


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Workshops

Zahlreiche Workshops

  • an Volksschulen
  • an Neuen Mittelschulen
  • in Nachmittagsbetreuungen
  • beim KAC-Nachwuchs
  • mit Profisportlern des EC KAC
  • mit Profisportlern des EC VSV

standen im Zeichen der Kampagne. Wegen der Einschränkungen aufgrund der Covid-19 Pandemie mussten viele geplante Workshops auf unbestimmte Zeit verschoben werden.


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Kinderrechte-Musical

Im Zuge der Jubiläumstour zu 30 Jahren UN-Kinderrechtekonvention wurde zu Beginn des Musicals auf die Kampagne hingewiesen - so konnten in St. Veit, Wolfsberg, Völkermarkt und Feldkirchen über 2.300 Schüer*innen und Pädagog*innen erreicht werden.


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Kreativwettbewerb

Kinder und Jugendliche wurden aufgerufen, ihre Ideen zum Thema „Gewaltverbot in der Familie“ zu beschreiben, zu zeichnen oder zu filmen.

Schon vor dem Einsendeschluss im September 2020 kamen viele Werke per Post, E-Mail oder wurden persönlich vorbeigebracht.

Im Herbst 2020 konnten die Preise an die Gewinnerinnen und Gewinner übergeben werden.


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Covid-19 Pandemie

Die Beschränkungen aufgrund der Pandemie unterbrachen jäh die zweite Phase der Öffentlichkeitskampagne. Geplante Aktionen mussten auf unbestimmte Zeit verschoben werden.

Indes erschienen am 24.3.2020 zwei Leitfäden :

(1) Leitfaden für Eltern / Betreuungspersonal, um Familien bei der Bewältigung des Corona-Virus (COVID-19) zu unterstützen.

(2) Wie kann man Kindern im Umgang mit dem Virus helfen


Was bisher geschah ...


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Links:

Kampagnenwebsite: kinderschutz.ktn.gv.at

Fachstelle für Qualitätsentwicklung im Kärntner Kinderschutz: www.ktn.gv.at/kinderschutz

Plattform gegen die Gewalt (Bundeskanzleram): www.gewaltinfo.at