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Thema des Tages: Ist es sinnvoll, die Schulen zu schließen?

14.11.2020
Kinder- und Jugendanwältin Mag.a Astrid Liebhauser erläutert in der Ausgabe der Kleinen Zeitung vom 14.11.2020, warum eine Schließung der Schulen Kinderrechte massiv einschränkt.


Viel ist in den letzten Tagen über die drohende gänzliche Schließung der Schulen in unserem Land gesagt und geschrieben worden. Wie so oft in den vergangenen Corona-Monaten gibt es für jede Maßnahme Argumente, die beweisen und wissenschaftlich begründen sollen, warum die Regierung Recht haben könnte. Bei jeder dieser Maßnahmen gibt es aber ebenso gute Argumente, die die gerade gewählte Vorgangsweise hinterfragen und - gleichfalls wissenschaftlich fundiert - einen anderen Lösungsweg zeigen würden. Das verunsichert und lässt den Bürger/die Bürgerin ratlos und zunehmend frustriert zurück.


Besonders betroffen macht es jedoch, wenn Maßnahmen zu Lasten einer großen Bevölkerungsgruppe getroffen werden, die nie mehr ausgeglichen werden können. Bei allem Verständnis für den Schutz der bekannten vulnerablen Risikogruppen bleibt seit langem die vorrangige Beachtung des Kindeswohls, wie sie in der österreichischen Bundesverfassung verankert ist, sträflich auf der Strecke. Jeder finanzielle Schaden kann ganz oder teilweise entschädigt werden. Die Lücken, die durch monatelangen bruchstückhaften Unterricht und Verhinderung von altersentsprechenden Kontaktsettings entstehen, können nicht mehr aufgeholt werden.


Es entspricht eben nicht dem Kindeswohl, wenn Kinder wochenlang nicht in die Schule gehen dürfen. Es entspricht nicht dem Kindeswohl, wenn der Lehrstoff einmal auf „Festigen und Wiederholen“ gekürzt, das andere Mal in wenige Wochen hineingestopft wird, damit man wenigstens etwas abhaken kann, bevor die Kinder nach Hause geschickt werden müssen. Es entspricht nicht dem Kindeswohl, wenn sich Schülerinnen und Schüler der Oberstufe bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr über Wochen den Unterrichtsstoff zu einem Gutteil selbst beibringen müssen. Es entspricht nicht dem Kindeswohl, wenn maturierende Jugendliche vor der wichtigsten Prüfung ihrer gesamten Schullaufbahn nach Hause und vor den Laptop geschickt werden. Es entspricht nicht dem Kindeswohl, wenn Kinder und Jugendliche sich wochenlang nicht treffen dürfen und soziale Kontakte als gefährlich bezeichnet werden, obwohl gerade in dieser Altersgruppe eine erhöhte gegenseitige Infektionsgefahr bis dato wissenschaftlich nicht belegbar ist.


Wir begehen in der kommenden Woche den Welttag der Kinderrechte. Es ist höchst an der Zeit, dass Kinder nicht nur in Sonntagsreden Rechte zugestanden werden, sondern dass das Wohl des Kindes tatsächlich bei allen Entscheidungen, die von der Regierung getroffen werden, vorrangig mitberücksichtigt und tatsächlich ernst genommen wird. Wir wollen niemanden durch Covid19 verlieren. Wir müssen aber auch alles tun, damit nicht eine ganze Generation an den Folgen dieses Virus leiden wird!