Geschichte: Gewalt in Kärntner Einrichtungen

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Geschichte: Gewalt in Kärntner Einrichtungen

Im Zuge der Aufarbeitung der Geschichte der Heimkinder traten Informationen über strukturelle Gewalt in Kärntner Institutionen zutage, welche die betroffenen Kinder hilf- und sprachlos zurückließen. Durch die Einsetzung einer unabhängigen Anlaufstelle für Missbrauchsopfer sowie der Opferschutzkommission bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft konnten die ehemaligen Heimkinder zumindest finanziell entschädigt werden. Die psychische Belastung wird sie trotz des Angebots der kostenlosen Psychotherapie wohl ein Leben lang begleiten.

Internationale und nationale Aufarbeitung

Ehemalige Heimkinder begannen zunächst in anderen Ländern wie Irland oder Deutschland darüber zu berichten, was sie als Kinder und Jugendliche in konfessionell geführten Internaten sowie in staatlichen Kinderheimen an physischer und sexueller Gewalt durch Betreuungspersonen und/oder andere Zöglinge erlebt hatten. In Österreich begann um 2010 der große Aufarbeitungsprozess durch Berichte von ehemaligen Heimkindern in Wien (Wilhelminenberg), in etlichen Internaten der katholischen Kirche (beispielsweise Kremsmünster), in Kinderheimen der Diakonie aber auch in Heimen des Bundes und der Länder sowie in etlichen heilpädagogischen Krankenstationen der Landeskrankenhäuser. In Kärnten kommen die Betroffenen überwiegend aus dem ehemaligen Landesjugendheim Görtschach, aus Großpflegefamilien, die bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts genehmigt wurden und aus kirchlichen Einrichtungen.

Strukturelle Gewalt – Primar Franz Wurst

Die Hauptvorwürfe der Betroffenen in Kärnten betrafen zum einen sexuelle Übergriffe durch den ehemaligen Primar der Heilpädagogischen Abteilung des LKH Klagenfurt Dr. Franz Wurst, die vorwiegend im Zuge stationärer Aufenthalte im LKH Klagenfurt stattgefunden hatten sowie massive (Kindes)misshandlungen im Rahmen der Fremdunterbringungen durch die öffentliche Jugendwohlfahrt im Landesjugendheim Görtschach bzw. in Großpflegefamilien. Die geschilderten Misshandlungen und sexuellen Übergriffe sowie das vielfach berichtete sadistische Quälen anvertrauter minderjähriger Kinder und Jugendlicher in den Einrichtungen war großteils sowohl strafrechtlich als auch zivilrechtlich bereits verjährt.