Vertrauensperson

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seit 2013

Kinderanwaltliche Vertrauensperson / Ombudsstelle

Als vor wenigen Jahren durch die Medien Missbrauchsskandale über fremduntergebrachte Kinder öffentlich gemacht wurden, blieb neben Fassungslosigkeit in der Bevölkerung auch immer die Frage offen, warum ehemalige untergebrachte Kinder und Jugendliche solange gewartet bzw. Zeit benötigt haben, sich an entsprechende Stellen zu wenden und vor allem wer diese Stellen hätten sein können. Die Antworten liefern zahlreiche Gespräche mit Betroffenen. Eine externe Vertrauensperson hätte ihnen während ihres Aufenthaltes gefehlt. Missstände konnten weder den in der Institution tätigen Personen noch anderen offiziellen Stellen anvertraut werden, da die Angst vor Repressalien einfach zu groß war und wer hätte einem schon geglaubt? Vor diesem Hintergrund fand 2012 die Fachtagung „Herausgerissen“, veranstaltet von den Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs in Salzburg, statt.

Kinderanwaltlicher Hintergrund und Anlass

Erfahrungen aus der Arbeit mit ehemaligen Heimkindern sowie konkrete Anlassfälle haben dadurch österreichweit das Bewusstsein gestärkt, dass fremduntergebrachte Kinder und Jugendliche auch außerhalb der jeweiligen Einrichtung und Kinder- und Jugendhilfe eine Ansprechperson brauchen, falls es Missstände gibt.

Pilotphase mit drei Trägern

2013 wurden Gespräche mit der Diakonie, SOS Kinderdorf und pro mente kijufa geführt und es wurde gemeinsam darüber nachgedacht, wie diese Trägervereine den untergebrachten Kindern und Jugendlichen den Zugang zu einer neutralen Ansprechperson außerhalb des jeweiligen Systems gewährleisten könnten. So entstanden mehrere Pilotprojekte, die kurz aufgezeigt werden sollen.


Sowohl das Haus Herrnhilf in Treffen mit dem Träger Diakonie und das SOS Kinderdorf Moosburg nahmen nach der Fachtagung direkt Kontakt mit der KiJA auf. Parallel dazu liefen bereits unsere „KiJA Sprechstunden“ für untergebrachte Kinder und Jugendliche in einer Pilotphase an einer sozialtherapeutischen Einrichtung im Bezirk Klagenfurt-Land (Therapiezentrum Weidenhof), ein weiterer großer Anbieter wurde mit der Idee, KiJa Sprechstunden in den vorhandenen Einrichtungen anzubieten, von uns direkt angesprochen (pro mente kijufa betr. die WGs in Möllbrücke, Straßburg und Viktring).


Projekt-Vorstellung bei Kindern und Jugendlichen

Wie wird ein Vertrauensverhältnis zwischen Mitarbeitern der KiJA und den BewohnerInnen einer Einrichtung aufgebaut? In den ersten Einheiten stellte sich die Kinder- und Jugendanwaltschaft ausführlich vor und umriss grob die Themen, mit denen Kinder und Jugendliche zu uns kommen und wie in weiterer Folge etwaige Interventionsmöglichkeiten aussehen könnten. Bei den nachfolgenden Terminen wurde dann ein für die Zielgruppe relevantes Gesprächsthema diskutiert und den Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit geboten, entweder innerhalb der Kleingruppe oder im Anschluss alleine Probleme anzusprechen, unabhängig davon, ob das konkrete Problem mit dem unmittelbaren Wohnumfeld zu tun hatte oder andere Lebens- oder Ausbildungsbereiche betraf.

Divergente Entwicklungen

Die Entwicklungen in den Einrichtungen nahmen völlig unterschiedliche Verläufe.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass regelmäßige und engmaschige Besuche der Einrichtung für den Aufbau eines Bekanntheits- und Vertrauensverhältnisses mit den Jugendlichen unumgänglich sind. Diese Kontakte müssen mehrmals pro Jahr möglich sein. In Einrichtungen, die der externen Vertrauensperson mit Skepsis begegnen, gelingt es auch den Jugendlichen nicht, dieses Angebot mit der notwendigen Offenheit anzunehmen. Einrichtungen müssen von sich aus dafür sorgen, dass die untergebrachten Kinder und Jugendlichen von den Sprechstunden informiert werden und bei Informations-Workshops auch teilnehmen. Betreuungspersonal muss angehalten werden, dass die Kinder dieses Angebot tatsächlich prioritär nützen und nicht diverse Alltagsverpflichtungen als Vorwand genommen werden, dass die Kinder nicht zur Sprechstunde kommen.


Unser Positiv-Beispiel

Kontinuierliche Sprechstunden finden im Haus Herrnhilf der Diakonie statt. Rechtzeitig werden die Termine in Form eines KiJA Plakates von der Einrichtung ausgehängt und über MitarbeiterInnen in den jeweiligen Gruppen auf die Sprechstunde hingewiesen. Mittlerweile kann in Gruppenrunden bzw. in Parallel- und nachfolgenden Einzelgesprächen über den Heimalltag, die Schule und das ursprüngliche Zuhause gesprochen werden. Eine terminliche Staffelung innerhalb der Sprechstunde gelingt nur bedingt, daher werden die Sprechstunden meistens mit Unterstützung einer zweiten Person aus dem KiJA Team abgehalten. Vor allem jüngere Kinder sind mit der Information, in einer halben Stunde wieder zukommen, überfordert und kommen dann auch nicht wieder, daher hat sich der Ansatz, eine unterstützende Person mitzunehmen, stets bewährt.
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Nur durch konstante Präsenz in einer sozialpädagogischen Einrichtung können insofern Erfolge erzielt werden, dass Probleme fremduntergebrachter Kinder und Jugendlichen auch ausgesprochen werden. Um diese Vertrauenssituation aufrecht zu erhalten, bedarf es kontinuierlicher Kontakte, die nur vor Ort stattfinden können, da es dem Kind/den Jugendlichen in den wenigsten Fällen möglich ist, eigenständig von der Einrichtung (diese liegen auch häufig im ländlichen Raum und eine Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel ist nicht immer gegeben) nach Klagenfurt in die KiJA zu kommen. Schon das Ansprechen des Transportes von der Einrichtung zu uns kann ein zu großes Hemmnis für das Kind/den Jugendlichen darstellen, sodass Probleme häufig gar nicht angesprochen werden.


Probleme lassen sich auch nicht aufschieben und wollen aus der Zeitperspektive eines jungen Menschen rasch Gehör finden. Eine Erhöhung der Frequenz der KiJA Sprechstunden wäre aus unserer Sicht daher wünschenswert.