Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

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Schwerpunkt seit Herbst 2015

Patenprojekt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Für unser Patenprojekt haben wir Menschen mit Herz gesucht und gefunden, die unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein Stück weit auf ihrem Weg in ein neues Leben begleiten wollen. Um die jungen Menschen bestmöglich integrieren zu können, brauchen sie Bezugspersonen, die ihnen dabei helfen und vorleben, wie Leben in Österreich gelingen kann. Mittels PatInnen-Schulungen, Reflexionsgruppen sowie Fachtagungen und Vernetzungstreffen konnten die Weichen für eine gute Umsetzung gelegt werden. Das positive Ergebnis zeigt sich primär in der gelungenen Integration (Spracherwerb, BHS, Lehrlingsausbildung etc.) – aber natürlich freuen wir uns auch über die Wertschätzung in Form des 1. Platzes beim Sozialpreis der Bank Austria 2018.

Ausgangslage

Nach längerer Vorbereitungszeit und Vernetzungsgesprächen mit dem Kinder- und Jugendhilfeträger sowie der Sozialabteilung des Landes und dem zuständigen politischen Büro wurde im Jänner 2016 das UMF-Patenprojekt gestartet. Gesucht wurden Paten bzw. Patenfamilien, die sich eines konkreten Jugendlichen annehmen, der in einer UMF-Landeseinrichtung auf den Ausgang seines Asylverfahrens wartet.
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Sozialpädagogische Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF):

(1) Feistritz/Drau: Arbeiter Samariterbund Österreich (2) Treffen: Diakonie de La Tour (3) Villach-Landskron: SOS Kinderdorf (4) Sekirn: Kinderfreunde Steiermark (5) Ferlach: Kinderfreunde Kärnten (6) St. Stefan: B3-Netzwerk

Reflexionsgruppen für PatInnen:

(A) Villach (B) Klagenfurt Lend (C) Klagenfurt Stadt


Informationsoffensive

Im Anfangsjahr fanden drei allgemeine Informationsabende, zwei Rechtsabende und zwei Flucht & Trauma-Abende statt, wir führten mit über 20 Patenwerbern ausführliche Motivationsgespräche, diese wurden anschließend auch von SozialarbeiterInnen der Kinder- und Jugendhilfe zu Hause besucht.


Im April 2016 konnten dann die ersten 19 Patenschaften vermittelt werden, weitere Patenschaften entstanden laufend. Aufgrund des Interesses (und Bedarfs im Oberkärntner Raum) wurde auch in Villach ein Ausbildungsturnus durchgeführt.


Ab Mai 2016 wurden für die bestehenden Patenschaften regelmäßige Reflexionsgruppen (zwei Gruppen in Klagenfurt, eine Gruppe in Villach) zur supervisorischen Begleitung eingerichtet. Erfahrungs- und Informationsaustausch mit anderen Patinnen und Paten stand dabei im Vordergrund. Hierfür stehen uns Fachleute der Universität Klagenfurt (Dr.in Ulrike Loch, Dr. Georg Gombos) und der FH Kärnten (Dr. Hubert Höllmüller, Dr. Helmut Spitzer) zur Verfügung.


Den ersten 25 KiJA-Paten wurde im Rahmen einer Feierstunde ein Paten-Dekret durch den Landeshauptmann Dr. Peter Kaiser und die Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr.in Beate Prettner überreicht.

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Dekretverleihung 2016 im Spiegelsaal der Kärntner Landesregierung


Positive Entwicklung „bepateter“ Jugendlicher

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Die Erfahrung aus drei Jahren hat dem Projektteam gezeigt, dass Kinder und Jugendliche, die eine Patin oder einen Paten haben, sich besser integrieren und deutliche Fortschritte beim Spracherwerb machen. Einige der „bepateten“ Jugendlichen haben den Übergang in eine BHS geschafft oder absolvieren erfolgreich eine Lehrlingsausbildung.


In unserem Bundesland hat es auch vor dem UMF-Patenprojekt der Kinder- und Jugendanwaltschaft einzelne Initiativen gegeben, die sich ehrenamtlich vor Ort in Flüchtlingsquartieren engagiert haben. Dies geschah hauptsächlich in Form von Deutschunterricht und anderen schulischen Förderungen. Der Kinder- und Jugendanwaltschaft war es wichtig Patenschaften zu implementieren, die junge Flüchtlinge in ihre eigene Familie integrieren und über die sprachliche Förderung hinaus auch kulturelle, geografische und individuelle Einzelförderung garantieren.



PatInnen-Ausbildung

Seit Beginn haben 306 interessierte Damen und Herren an 8 Patenschulungen teilgenommen. 81 Personen wurden im Laufe des Projektes zu Patinnen und Paten ausgebildet, mit Oktober 2018 sind 63 Paten und Patinnen aktiv und betreuen 48 Kinder und Jugendliche. In den Einrichtungen gibt es nach wie vor interne Wartelisten für Kinder und Jugendliche, die sich ebenfalls eine Patin oder einen Paten wünschen.

Positive Feedbacks

Das Projekt hat durchwegs positive Rückmeldungen von allen Beteiligten erhalten. Die Einrichtungen schätzen die Unterstützung der Paten, und die Reflexionsgruppenleiter, welche die Patinnen und Paten in regelmäßigen Treffen begleiten, unterstützen das Engagement der Paten. In den Einrichtungen gibt es längere Wartelisten der Jugendlichen, die sich auch einen Paten wünschen.

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Am 29.01.2019 konnten wir im feierlichen Rahmen des Casineums Velden den Preis für den 1. Platz des Bank Austria Sozialpreises entgegennehmen.


Um für die vielen Ehrenamtlichen ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung ihrer Arbeit zu setzen, hat sich die KiJA daher entschlossen, dieses Projekt für den Sozialpreis der Bank Austria 2018 einzureichen und wir freuen uns sehr, den 1. Platz in Kärnten gewonnen zu haben. Wir wollen uns damit bei all den Menschen, die einen so wertvollen Beitrag zur Integration von Kindern und Jugendlichen leisten, bedanken.


Netzwerktreffen der AkteurInnen

Bislang dreimal hat die Kinder- und Jugendanwaltschaft ein Netzwerktreffen organisiert, an dem die EinrichtungsleiterInnen, Reflexionsgruppenleiter, PatenvertreterInnen und Vertreter der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Sozialabteilung des Landes teilgenommen haben. Themen, die zuvor in den drei Reflexionsgruppen gesammelt wurden, konnten in dem großen Kreis diskutiert werden und zumeist Lösungen zugeführt werden. So ging es beispielsweise um Regeln in den Einrichtungen, Taschengeld oder das selber Kochen. Mehrfach diskutiert wurde die 72-Stunden-Regelung betreffend der Abwesenheit aus der Einrichtung, die für die Jugendlichen sehr restriktiv ausgelegt wird. Eine kindgerechte Interpretation, die dem österreichweiten Vergleich standgehalten hätte, wurde mit dem Flüchtlingsreferat des Landes mehrfach besprochen und eingefordert, in diesem Punkt scheiterten wir allerdings an der Uneinsichtigkeit des zuständigen Beamten.


Die Kinder- und Jugendanwältin nahm regelmäßig an den UMF-Arbeitsgruppen der Abteilung 4 /UA Kinder- und Jugendhilfe teil und konnte dort Anregungen aus den Patenschaften einbringen.


Fachtagungen in Linz und Klagenfurt

Zwei wissenschaftliche Tagungen zur Problematik unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge fanden unter Beteiligung der KiJA Kärnten statt:

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Lost in Migration.


Unbegleitete Kinder und Jugendliche auf der Flucht.

5. April 2017, Linz, 260 TeilnehmerInnen


Diese österreichweit ausgeschriebene Tagung der Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs untersuchte Aspekte wie Kinderhandel und das Verschwinden von zahlreichen Minderjährigen aus den offiziellen Unterbringungs- bzw. Helfersystem.


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Entwicklung fördern - jetzt!

Fachliche Standards in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.

23. Juni 2017, Klagenfurt, 150 TeilnehmerInnen


Gemeinsam mit der Universität Klagenfurt und der Fachhochschule für Soziale Arbeit Feldkirchen organisierte die KiJA Kärnten eine Tagung zu Standards in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.



„Es geht uns sehr gut. Nach über einem halben Jahr hat uns nun endlich der Alltagstrott erreicht und das Familienleben hat uns fest im Griff: Schule, Kindergarten, Fußball, Ski fahren, Eis laufen etc. Nun freuen wir uns schon sehr auf die wärmeren Tage – unser Schwimmteich wartet schon schwer auf uns. Schulisch läuft es bei beiden Jungs sehr gut, meiner „Bitte“ nach einem Genügend in der Schulnachricht nach dem ersten Semester wurde allerdings nicht Folge geleistet ;-) Wie es aussieht, werden beide am Ende des Schuljahres bei den Klassenbesten dabei sein, was mich und meinen Mann wirklich mit großem Stolz erfüllt, obwohl uns Schulnoten in der Tat nicht so wichtig sind. Mojtaba hat für das nächste Jahr Zusagen von der HLW Caritasschule und vom BORG Klagenfurt. Nach seinem Bescheid – seit Anfang April hat er den subsidiär Schutz zuerkannt bekommen – überlegen wir nun, was besser für ihn und eine mögliche Verlängerung sein könnte: Lehre oder Schule. Das werden wir demnächst entscheiden! Auch überlegen wir, ob wir einen Fremdenpass machen sollen, um unsere Familienurlaube auch außerhalb Österreichs abhalten zu können. Zusammengefasst sind wir glücklich und zufrieden mit der jetzigen Situation und es geht uns allen ausgezeichnet.“

Aus einer besonders gelungenen Patenschaft ist nun ein Pflegeverhältnis geworden.

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Aufgrund der Tatsache, dass viele der in Kärnten untergebrachten Burschen zu Berichtsende ihre Volljährigkeit erreicht haben und derzeit keine weiteren unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in unser Bundesland kommen, sind derzeit keine weiteren Ausbildungstage geplant.


Das Patenprojekt wird ab 2019 für Careleaver adaptiert.