kinderfreundliche Hausordnung

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2015 in Kooperation mit dem Familienservice der Stadt Klagenfurt

Kinderfreundliche Hausordnung

Kinder sind Kinder. Und Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, die das gleiche Ruhebedürfnis wie Erwachsene haben. Sie haben das Bedürfnis, sich zu bewegen und sich zu treffen. Sie sind nicht ständig im Flüstermodus, wenn sie sich im Hof der Wohnanlage treffen. Sie wollen auch nicht immer zum nächsten Spielplatz oder zur nächsten Sportanlage gehen oder fahren müssen, um mit Freunden zu spielen. Diese Interessen stehen häufig im Widerstreit mit dem Bedürfnis der Erwachsenen, sich zu Hause zu erholen und Ruhe genießen zu können. Ein für alle Nachbarn gelingendes Miteinander wird es nur dann geben, wenn alle Bewohner die Bedürfnisse der anderen zumindest verstehen und bereit sind, mit gegenseitigem Respekt und Kompromissbereitschaft Regeln zu finden, die Rücksicht auf die Bedürfnisse aller nehmen.
Ein 10 jähriges Mädchen spielt mit seiner Freundin im Hof eines Innenstadthauses – Büros im Haus rufen bei der Hausverwaltung an um sich zu beschweren und fordern auf, den Lärm abzustellen.

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Kinder zwischen 10 und 14 spielen im Innenhof am Kinderspielplatz. Sie haben sich von den Miteigentümern – großteils ihren Eltern – ein Streetballkorbgestell gewünscht, das von einigen Eltern am obligaten Kletterturm angebracht wird. Die Kinder sind mittlerweile zu groß für Sandkiste, Kletterturm und Rutsche. Eine ältere Nachbarin fühlt sich massiv gestört durch den Lärm, den die Bälle beim Abklatschen am Korbbrett machen und lässt in einer Nacht- und Nebelaktion das gesamte Gestell entfernen. Mit den Kindern wird nicht gesprochen – es werden einfach Fakten geschaffen. Erst über Intervention der KiJA ist die Dame bereit, das Gestell wieder herauszugeben.

Ballpeppeln ist immer wieder Anlass für Konflikte in Wohnanlagen. Fußball- und Hockeyspielen sind in den meisten Anlagen verboten – auch wenn das die natürlichste Sache der Welt ist, wie man weiß, wenn man selbst Kind war oder Kinder im Vorschul- oder Volksschulalter hat. Ja, es stimmt – Ballpeppeln kann nervig sein, vor allem wenn es länger dauert, aber: die Spiel- und Freizeiträume der Anlagen sind nicht kind- und jugendgerecht. Die einen wollen kurz auspowern und sich mit den anderen Kindern im Hof treffen, die anderen wollen abspannen, haben Angst, dass der Ball auf den Balkon fallen und Blumen kaputt machen könne, dass Glas eingeschlagen werden könne, dass Gegenstände im Rasen liegen bleiben, die dann den Rasenmäher beschädigen.

Nachbarn beschimpfen Kinder, kommandieren sie herum, drohen mit Schlägen und anderen Unfreundlichkeiten. Eltern und Erziehungsverantwortliche fühlen sich unter Druck gesetzt und finden keine Unterstützung. Am ehesten bekommen sie noch einen harschen Brief der Hausverwaltung, in dem sie aufgefordert werden, das Spielen einzustellen, Kreidezeichnungen auf eigene Kosten putzen zu lassen, Kinder „an die Leine zu nehmen“.

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Ein Nachbar regt sich auf, weil ein 7-jähriges Mädchen in der Wohnung über ihm Lärm macht. Recherchen ergeben, dass das zierliche Mädchen zum fraglichen Zeitpunkt einen Balletttanz gezeigt hat und dabei Sprünge durchs Wohnzimmer gemacht hat. Ebenfalls eine Bewegung, die 7-jährigen durchaus immanent ist und an sich keine ungebührliche Lärmerregung darstellt.

Interessen von ruhebedürftigen Erwachsenen stehen hier oft Interessen von Familien mit kleineren Kindern entgegen. Wenn die Kinder dann groß sind, schwindet das Verständnis für Bedürfnisse von Kindern aber wieder.

Wir haben immer wieder ratlose Eltern, die Unterstützung suchen, wenn ihren Kindern in der Wohnanlage das MITEINANDER WOHNEN verleidet wird.

Kooperation mit dem Familienservice der Stadt Klagenfurt
Daher war es uns seit längerem ein Anliegen, uns einer kind- und familienfreundlichen Hausordnung anzunehmen und mit den Betroffenen zu schauen, wie man das gegenseitige Verständnis unter Nachbarn wecken beziehungsweise verbessern könnte. Unsere Intentionen trafen 2014/2015 erfreulicherweise mit dem Audit der Landeshauptstadt Klagenfurt im Rahmen der Bewerbung um die Zertifizierung zur familienfreundlichen Gemeinde des BM für Wirtschaft, Familie und Jugend zusammen.
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Daher war es uns seit längerem ein Anliegen, uns einer kind- und familienfreundlichen Hausordnung anzunehmen und mit den Betroffenen zu schauen, wie man das gegenseitige Verständnis unter Nachbarn wecken beziehungsweise verbessern könnte. Unsere Intentionen trafen 2014/2015 erfreulicherweise mit dem Audit der Landeshauptstadt Klagenfurt im Rahmen der Bewerbung um die Zertifizierung zur familienfreundlichen Gemeinde des BM für Wirtschaft, Familie und Jugend zusammen.


Gemeinsam mit dem Familienservice der Landeshauptstadt Klagenfurt (Mag.a Daniela Obiltschnig) entwickelten wir eine Kinder- und generationenfreundliche Hausordnung, die in der Folge von etlichen Hausverwaltungen und Bauträgern des Bundeslandes an die Mieter weitergeleitet beziehungsweise in den Wohnanlagen angebracht wurde.


Das Kinderrecht auf Freizeit und Spiel
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Wir setzen uns im Einzelfall dafür ein, dass solche Regeln ausgearbeitet werden können, dass aber jedenfalls auch die Interessen der Kinder Berücksichtigung finden.

Positiv fiel im Berichtszeitraum auf, dass die Kärntner Bauordnung nunmehr mit anderen Bundesländern nachgezogen hat und Kinderlärm keine Belästigung mehr darstellt. „Geräuscheinwirkungen, die mit der widmungsgemäßen Nutzung von Kinderspielplätzen, Betreuungseinrichtungen, Schulen oder ähnlichen Anlagen verbunden sind, fallen nicht unter den Begriff schädliche Umwelteinwirkung.“ Die Gesetzeserläuterungen ergänzen, dass diese Regelung im Ergebnis eine Privilegierung des Kinderlärms gegenüber anderen Lärmquellen darstelle.


Empfehlung
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Wir würden uns zusätzlich zu dieser längst notwendigen Gesetzesänderung von den Kommunen MediatorInnen wünschen, die bei Nachbarschaftskonflikten vermittelnd eingreifen könnten.


§ 23 Abs 3a K-BO 1996 idF LGBL Nr 31/2015:

Zu den unzumutbaren oder das ortsübliche Ausmaß übersteigenden Belästigungen oder Gesundheitsgefährdungen zählen insbesondere nicht Geräuscheinwirkungen von Kinderspielplätzen, Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen für Schulpflichtige.