Novellierung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes

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2013

Novellierung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes

Aufgrund der Vorgaben des Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetzes 2013 wurde die Novellierung des Kärntner Jugendwohlfahrtsgesetzes notwendig, wobei die KiJA in die Erarbeitung des Ausführungsgesetzes bereits in einem frühen Stadium eingebunden war.
Aus Sicht der Kinder- und Jugendanwaltschaft war es insbesondere wichtig, den Grundgedanken des Kinder- und Jugendhilfegesetzes auch im Kärntner KJHG sicherzustellen, nämlich die Qualitätsoffensive in der Mitarbeiteraus- und -fortbildung sowie das Vier-Augen-Prinzip bei der Gefährdungsabklärung und Hilfeplanerstellung. Außerdem wurden in dieser Novelle die gesetzlichen Grundlagen der Kinder- und Jugendanwaltschaft präzisiert und die Befugnisse erweitert (insbesondere das Recht der KiJA, mit Kindern und Jugendlichen in sozialpädagogischen Einrichtungen und in Pflegefamilien direkt in Kontakt zu kommen und ungehinderten Zugang zu diesen Einrichtungen zu haben sowie das ausdrückliche Recht auf Akteneinsicht in Akten von Landes- und Gemeindebehörden).

KiJA-Fortbildungsreihe zur Mitteilungs- und Meldepflichten bei Kindeswohlgefährdung
Die Kinder- und Jugendanwaltschaft wurde nach in Krafttreten des Gesetzes eingeladen, in zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen, die von der zuständigen Fachabteilung des Amtes der Kärntner Landesregierung organisiert wurden, den Part der Mitteilungs- und Meldepflichten zur Kindeswohlgefährdung zu übernehmen. Im Zuge dieser Fortbildungsreihe, die uns quer durchs Land führte, konnten wertvolle Hinweise aus der Praxis zum neuen KJHG diskutiert und Lösungen zugeführt werden.

Empfehlungen
Aus den bisherigen Erfahrungen mit dem K-KJHG 2013 und den aktuellen Herausforderungen, die sich der Kinder- und Jugendhilfe stellen, empfiehlt die KiJA dringend, von den Verordnungsmöglichkeiten des KJHG Gebrauch zu machen und insbesondere Standards für die fachlichen Voraussetzungen der MitarbeiterInnen in der Kinder- und Jugendhilfe zu definieren. Kinder, die von der Kinder- und Jugendhilfe unterstützt werden und deren Familien brauchen von Beginn an bestmögliche Betreuung und Begleitung. Auf Grundlage einer gesicherten Diagnose bedarf es bestmöglicher Angebote, um jeweils mit dem gelindesten Mittel auf die aktuellen Problemstellungen reagieren zu können und das Kind so lange wie möglich in seinem familiären Umfeld belassen zu können. Diesbezüglich wird empfohlen, die ambulanten Angebote für Kinder und Familien in Krisen bedarfsorientiert – sowohl inhaltlich als auch personell – auszubauen. Auf die bereits seit längerem vorliegenden Evaluierungsergebnisse der FH-Studie zur Familienintensivbetreuung wird verwiesen und entsprechende Vorgaben eingefordert. Sollte es unumgänglich sein, das Kind fremdunterbringen zu müssen, wäre ein breitgefächertes Angebot von unterschiedlichen sozialpädagogischen sowie sozialtherapeutischen Einrichtungen mit bestqualifiziertem Personal nötig, um dem Kind jene Hilfen geben zu können, die es aufgrund seiner individuellen Bedürfnislage braucht. Diese Einrichtungen müssten gewährleisten, dass auch Kinder mit sehr speziellen Bedürfnissen in entsprechenden Settings betreut werden können.
Kinder, die von der Kinder- und Jugendhilfe unterstützt werden und deren Familien brauchen von Beginn an bestmögliche Betreuung und Begleitung. Auf Grundlage einer gesicherten Diagnose bedarf es bestmöglicher Angebote, um jeweils mit dem gelindesten Mittel auf die aktuellen Problemstellungen reagieren zu können.

Immer wieder stellen wir mit Bedauern fest, dass gerade bei Kindern, die aufgrund ihrer Vorgeschichte starke Bindungsdefizite aufweisen, auch in der Fremdunterbringung keine stabilen Bindungen entstehen können. Dies resultiert aus unserer Sicht unter anderem daraus, dass in sozialpädagogischen Einrichtungen häufig MitarbeiterInnen zum Einsatz kommen, die noch wenig Berufserfahrung aufweisen, auf hoch-komplexe Problemlagen zu wenig vorbereitet sind und zudem schlecht bezahlt werden. Gerade weil herausfordernde Kinder aber bestmögliche und stabile Betreuung und Begleitung brauchen, wird es längerfristig unumgänglich sein, bestqualifiziertes und erfahrenes Personal in diesem Tätigkeitsfeld zum Einsatz zu bringen. Außerdem wird aus unserer Sicht zu oft zu wenig unternommen, um Fremdunterbringungen so kurz wie nötig zu halten und von Beginn an gezielt mit dem Familiensystem zu arbeiten, um eine Rückführung realistisch vorzubereiten. Hier orten wir einen Mangel an erforderlichen Ressourcen in der Kinder- und Jugendhilfe, die für Elternarbeit während der Fremdunterbringung zur Verfügung stehen müsste. Jedenfalls müssen die Unterbringungen viel mehr als bisher von den speziellen und individuellen Bedürfnissen des Kindes ausgehen und dürfen nicht, wie es mitunter den Anschein hat, von diversen anderen Interessen überlagert werden.


Im Bereich des Pflegeelternwesens wären neben einer Qualitätsoffensive unterschiedliche Modelle von Pflegefamilien anzudenken, um auch in dieser Unterbringungsform auf unterschiedliche Bedürfnislagen des konkreten Kindes bestmöglich eingehen zu können.


Die Erarbeitung eines Bedarfs- und Entwicklungsplanes wird eingefordert
In diesem Zusammenhang wird dringend die Erarbeitung eines Bedarfs- und Entwicklungsplanes eingefordert, der seit langem zugesagt ist. Veränderungen in der Gesellschaft müssen sich zeitnah auch in den Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe widerspiegeln, dies wird eine gemeinsame Aufgabe aller Kooperationspartner sein, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben.