Missbrauchstudie

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Artikel 19 der UN-Kinderrechtskonvention: Schutz vor Gewalt und Misshandlung.

Missbrauchsstudie

Aufgrund der Diskrepanz zwischen den Zahlen von Anzeigen und Verurteilungen im Hinblick auf Sittlichkeitsdelikte wurden in einer größer angelegten Missbrauchsstudie mögliche Ursachen für das signifikante Auseinanderklaffen dieser Zahlen untersucht.

Durch Jahre war zu beobachten, dass lediglich ein Fünftel der angezeigten Missbrauchsfälle letztlich zu einer gerichtlichen Verurteilung führten. Aus Gründen des Kinder- und Opferschutzes wollten wir uns anschauen, ob minderjährige Missbrauchsopfer ausreichend durch die vorhandene psycho-soziale und juristische Prozessbegleitung unterstützt werden konnten und ob die Opfer überhaupt frühzeitig im Verfahren über diese Begleitung informiert wurden.
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Bild: Diskrepanz zwischen den Zahlen von Anzeigen und Verurteilungen bei Sexualdelikten nach §§ 206, 207 StGB (Statistik Austria, Verurteilungsstatistik 2017)


Die Studie „Zahlenentwicklung der Fälle sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen im Zeitraum 2005–2012 in Kärnten mit einer Analyse, aus welchen Gründen es in unterschiedlichen Phasen des Strafverfahrens zu einer Verfahrenseinstellung kommt,“ wurde von Frau Mag.a Dr.in iur Elke Buchwalder-Totschnig im Auftrag der Kinder- und Jugendanwaltschaft Kärnten erarbeitet und am 13.1.2015 einem Fachpublikum präsentiert.
Den Studienergebnissen lagen letztlich 19 leitfadengesteuerte Experteninterviews aus den Bereichen psychosoziale/ juristische Prozessbegleitung, Kinderschutz, Exekutive, Justiz, Gerichts-SV und der Kinder- und Jugendhilfe zugrunde, weiters Einsichtnahme in STA und HV-Akte bei der Staatsanwaltschaft bzw. dem LG Klagenfurt, Fragebögen an sämtliche Kärntner Kinder-und Jugendhilfeträger sowie zur Verfügung stehendes statistischen Datenmaterial beim BMJ.
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Wir empfehlen aus Sicht des Kindes- und Opferschutzes, mit Anzeigen sehr vorsichtig und umsichtig umzugehen, in einem frühen Verfahrensstadium Prozessbegleitung einzuschalten, Bezugspersonen ebenfalls zu begleiten und den Zeitfaktor zwischen Anzeige, kontradiktorischer Vernehmung und Hauptverhandlung unbedingt zu berücksichtigen.

Studienergebnisse
Die Analyse des statistischen Datenmaterials ergab, dass die Gründe für die relativ hohen Verfahrenseinstellungen im Stadium des Ermittlungsverfahrens liegen. In nur 24 % der Fälle gab es im Zeitraum der Studie eine Prozessbegleitung. Aus ExpertInnensicht kam es häufig zu vorzeitigen Einstellungen des Strafverfahrens, wenn das Opfer in der kontradiktorischen Vernehmung bzw. in der Hauptverhandlung (HV) keine Aussage mehr machte oder sich der Aussage entschlug, wenn die Richter und Schöffen aufgrund der kontradiktorische Einvernahme (KdV) in der HV keinen unmittelbaren Eindruck vom Opfer erlangen konnten, wenn Aussagen des Opfers juristisch nicht verwertbar oder widersprüchlich waren oder wenn kindliche Aussagen, die nicht stringent waren, als unglaubwürdig eingestuft wurden. Nachteilig auf brauchbare Aussagen des Opfers wirkte sich aus, wenn zu viele Akteure am und mit dem Kind arbeiteten, wenn zwischen dem Vorfall, der Anzeige, und der Hauptverhandlung viel Zeit verstrich, wenn Anzeigen unvorbereitet gemacht wurden, Bezugspersonen des Opfers nicht professionell unterstützt wurden oder wenn Missbrauch im Scheidungsverfahren bzw. Besuchs- und Obsorgestreitigkeiten instrumentalisiert wurden.
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Ansprechstellen für psychosoziale und juristische Prozessbegleitung für Kinder und Jugendliche


Die kostenlose Unterstützung für betroffene Kinder und Jugendliche wird von der AVS Kärnten in Kooperation mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft angeboten.


Website AVS Kärnten