Frühgeborene und Schule

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Schwerpunkt 2011-2015

Frühgeborene und Schule – „Frühchentagung“

Ausgehend von konkreten Einzelfällen haben wir die Not jener Familien gesehen, in denen ein Kind (viel) früher als geplant das Licht der Welt erblickt hat. Da nur wenige Kinder vorhandene Teilleistungsschwächen restlos aufholen können, braucht die Pädagogik adäquates Wissen. 5 Fachtagungen brachten 660 Personen aus therapeutischen Gesundheitsberufen, der Kleinkind-/Pflichtschulpädagogik, Schul-/Psychologie sowie Eltern betroffener Kinder zusammen, um voneinander zu lernen. Durch diese Kärntner Initiative konnte eine Gesetzesänderung initiiert werden, wonach Frühgeborene nunmehr die Möglichkeit erhalten, von der Schulpflicht für ein zusätzliches Jahr befreit zu werden, wenn sie bei Erreichung der regulären Schulpflicht noch nicht die entsprechende Reife aufweisen.
Ausgangslage

Kinder, die vor der 36. Schwangerschaftswoche (SSW) auf die Welt kommen, gelten als „Frühgeborene“. Differenziert wird zwischen „extrem früh Geborenen“ (22. bis 28 SSW), sehr früh Geborenen (28. bis 34. SSW) und Frühgeborenen (bis zur 36. SSW). Nicht wenige der extrem und sehr früh geborenen Kinder nehmen die eine und/oder andere Beeinträchtigung bzw. Teilleistungsstörung mit in ihr Leben. Nur wenige Kinder können die frühe Geburt restlos aufholen.


Anlass für die Beschäftigung mit dieser Thematik war für uns die Erkenntnis, dass Kinder, die in ihren ersten Lebensjahren mit viel Einsatz und enormer Unterstützung der Medizin und unterschiedlicher Therapeuten aus dem Gesundheitsbereich viel aufholen und medizinisch als „gesund“ eingestuft werden, letztlich an den gläsernen Wänden der Schule anstoßen und ihnen in der Folge nicht selten das gesamte Spektrum des Bildungsangebotes verschlossen bleibt. Die Gründe liegen dann oft darin, dass die Pädagogik zu wenig Wissen hat, um mit den Teilleistungsschwächen dieser Kinder entsprechend umzugehen.

„Endlich bekommt das Worte, was ich unseren Lehrern all die Jahre nicht vermitteln konnte! Mein Kind ist nicht behindert, aber es braucht Zeit und Geduld!

Ich danke Ihnen so herzlich dafür, dass Sie dieses Thema aufgegriffen haben!“

betroffene Eltern


Vernetzung und Sensibilisierung
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Daher haben wir uns entschlossen, Vertreter jener Berufsgruppen, die mit Frühgeborenen von Anfang an zu tun haben (Neonatologen, Pflegepersonal, Kinderärzte, Therapeutische Gesundheitsberufe) mit KleinkindpädagogInnen, PsychologInnen, SchulpsychologInnen, PflichtschulpädagogInnen und Eltern betroffener Kinder zusammenzubringen. Es sollte ein voneinander Lernen und miteinander Nachdenken werden, wie man zu früh geborene Kinder und deren Eltern im Schulalltag besser unterstützen könnte.


In 5 Fachtagungen in Klagenfurt und Villach nahmen zwischen 2012 und 2015 660 Personen an diesen Fachtagungen teil. Den zahlreichen Rückmeldungen haben wir entnommen, dass wir mit diesen Tagungen ein bislang unbearbeitetes, dabei aber keineswegs unbedeutendes Thema in den Fokus der Elementarpädagogik gerückt haben. So waren bis zu diesem Zeitpunkt keine Zahlen bekannt, wie viele Kinder in Kärntner Schulen „Frühgeborene“ waren, es bestand auch kaum Bewusstsein, dass Österreich im internationalen Vergleich im Spitzenfeld der Frühgeburten lag.

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Gesetzesänderung als eine von vielen Ergebnissen:


1. Durch die Beschäftigung mit dieser Thematik, in Kooperation mit dem Landesschulrat für Kärnten (mit großartiger Unterstützung durch Frau LSI Dr.in Dagmar Zöhrer), konnte initiiert werden, dass bei Schuleinschreibungen nunmehr bereits nach dem errechneten und dem tatsächlichen Geburtstermin des Kindes gefragt wird und somit die ElemantarpädagogInnen von Beginn an wissen, ob sie Frühgeborene in ihren Klassen haben (pro Jahr ca. 400 Frühgeborene in Kärnten).


2. Weiters konnte durch diese Kärntner Initiative eine Gesetzesänderung initiiert werden, wonach Frühgeborene nunmehr die Möglichkeit erhalten, von der Schulpflicht für ein zusätzliches Jahr befreit zu werden, wenn sie bei Erreichung der regulären Schulpflicht noch nicht die entsprechende Reife aufweisen.


3. Durch die Tagungen konnten viele Pädagoginnen aus dem Volksschulbereich erreicht werden, die durch die anschaulichen Vorträge auf die besonderen Bedürfnisse dieser Kinder aufmerksam gemacht wurden und denen gleichzeitig pädagogische Anregungen mitgegeben wurden. Eine Wiederaufnahme und Fortführung dieser Informations-Fachtagungen ist in Planung.

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In Kooperation mit: Landesschulrat Kärnten, Gebietskrankenkasse Kärnten, Familienservice der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee, Stadt Villach, Frauengesundheitszentrum Kärnten

Bildergalerie: Impressionen der Fachtagung Villach (2012), Presseartikel